Schluss mit lustig
Nachdem wir uns ein paar sehr schöne Tage am malerischen Sandstrand gemacht haben, die Kinder die hundertste Sandburg gebaut und wir die x'te Kokosnuss ausschlürften, hielt Mutter Natur einige unangenehme Überraschungen bereit.
Zunächst umarmten mich 2 Feuerquallen, wohl weiblicher Natur, innig und verewigten sich so für einige Wochen an meinem Körper. Trotz schnell mit Sand abreiben und dann eine Portion Essig drüber kippen, hab ich 4 Tage danach immer noch Brandspuren an den Stellen. Die Kinder sind daraufhin nur noch mit T-Shirt ins Wasser und ich jedesmal vorneweg um zu fühlen ob das Getier wieder im Wasser ist.
Zum Beginn der Regenzeit ist das leider nicht so ungewöhnlich in Thailand, mir aber vorher noch nie passiert.
Gern würd ich jetzt wieder ein paar Bilder von den spielenden Kindern im Sand posten, aber leider kam es noch viel, viel schlimmer.
Vor drei Tagen war recht kräftige Ebbe in unserer Lagune und wir entschieden uns gegen Nachmittag doch noch einmal ins Wasser zu gehen.
Die Kinder angezogen, ich vorneweg und Sylvia mit Ludwig auf dem Arm hinter mir her.
Nach ein paar Metern schrie Sylvia plötzlich auf und versuchte schmerzverzerrt zu sagen das sie irgendwas gebissen hatte.
Zu meiner Schande muss ich heute gestehen, das ich zu diesem Zeitpunkt noch dachte, sie sei auch "bloß" von einer Feuerqualle angefallen worden.
Sie hinkte mit Ludwig auf dem Arm Richtung Strand aber nach ein paar Metern konnte Sie nicht mehr laufen. Ich hab die Kinder aus dem Wasser geworfen und Sie dann schnell zum Strandrestaurant getragen. Wie vielleicht schon vorher erwähnt, sind wir mittlerweile die einzigen Touristen und die Crew aß gerade irgendwo zusammen ihr Mittagessen. Ich legte Sylvia erstmal auf zwei Stühle und sah die Blutspur die unseren Wegverlauf anzeigte. Das konnte keine Qualle gewesen sein. Vielleicht auf eine kaputte Flasche getreten? Aber so groß war die Wunde nicht und auch würde das nicht solche Schmerzen verursachen. Denn Sylvia schrie unentwegt wie am Spieß. Die Kinder hab ich in einer Nebensekunde etwas entfernt vor das IPad gesetzt, beide kennen ja inzwischen den Weg zu 1,5h Sendung mit der Maus. Dummerweise, oder fast passend machten sie sich aber Bambi an, wo die Rehmutter nach 5 Minuten erschossen wird...
Mittlerweile waren die Mitarbeiter alle zusammen bei uns eingetroffen und wir versuchten zu klären was Ihr so entsetzliche Schmerzen verursacht. Da der Zeh, aus dem das Blut rann, mittlerweile blau anlief hatte ich allergrößte Befürchtungen.
Als Taucher weiß ich, das die giftigsten Tiere der Welt nicht Kobras oder Pfeilgiftfrösche sind, sondern kleine Wasserschlangen im Meer. Diese sind für Menschen normalerweise nicht gefährlich weil sie ihr Maul nicht soweit aufreißen können um uns zu beißen, außer in das Stück Haut zwischen den Fingern oder eben zwischen den Zehen.
Nachdem wir das Blut abgespült haben, wurde ein einziger Einstich sichtbar und die Einheimischen ahnten das meine Frau von einem "stingray" gestochen wurde. Bei uns bekannt als Stachelrochen. http://www.taucher.de/stachelrochen
Schnell wurde heißes Wasser mit einigen Kräutern angesetzt und die Zehe über den Wasserdampf gehalten. Das Bein wurde abgebunden und hochgelegt.
Sylvia ging es zunehmend schlechter und nach ca 20 Minuten ist sie komplett weggetreten und kollabiert.
Das Speedboot war zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Weg um uns in die Notaufnahme zu bringen.
Irgendwoher kamen plötzlich zwei Mönche und die hatten irgendein Riechzeug dabei, damit
kam Sylvia zumindest wieder zu Bewusstsein. Der Schmerz wanderte Richtung Oberschenkel und auch das Blau verteilte sich auf die umliegenden Bereiche des Fußes.
kam Sylvia zumindest wieder zu Bewusstsein. Der Schmerz wanderte Richtung Oberschenkel und auch das Blau verteilte sich auf die umliegenden Bereiche des Fußes.
Das sei aber gut, meinten die Einheimischen.
Irgendwie waren jetzt alle beteiligt. Die Mönche hielten das Riechzeug vor die Nase, eine Frau massierte die Schläfen und drei Leute hatten Fuß und Wasserdampf im Blick.
Ich fächelte mit einem Tablett Luft und netterweise hatten auch zwei Damen Zeit für die Kinder.
Das Speedboot kam direkt zum Strand und wir trugen Sylvia und die Jungs schnell durch das Wasser zum Boot.
Ich hatte kurz einen Rucksack gepackt und Pässe, Geld sowie Hygieneartikel reingeworfen.
Wer einmal sehr schnell mit einem Speedboot durch hohe Wellen geflogen ist, weiß das die Knochen und Gelenke danach erstmal neu sortiert werden müssen. Bei jeder Welle hob das Boot ab und schlug unsanft wieder auf. Für Sylvias Fuß sicher eine krasse Extrabelastung und mir ist schleierhaft wie Ludwig dennoch auf meinem Schoß einschlafen konnte.
Nach 20 Minuten kamen wir an dem Pier an, an dem wir Tage zuvor fröhlich gestartet waren. Hier warteten bereits einige Fischer auf uns. Die hatten auch so einen Topf angesetzt und berichteten uns stolz von Ihren Erlebnissen mit den Stachelrochen. Natürlich mit den vorzeigen der entsprechenden Narben an den Extremitäten.
Sie bekundeten unentwegt wie tapfer meine Frau ist und wie sehr das Gift wehtut.
Jetzt war schon klar welch Glück Sylvia hatte, das "nur" die Zehe getroffen war.
Die Jungs wurden von den Fischerfrauen mit Bananen beschenkt und bekamen was extrasüsses zu trinken.
Die Fischersuppe half schon deutlich mehr als die von der Insel und nach 10 Minuten war Sylvia in ein schnelles Auto verladefähig. Zum Hospital waren es nochmal 10 Minuten aber da konnte Sylvia schon wieder richtig reden.
In der Lobby des kleinen Landkrankenhauses wartete mit einem Rollstuhl schon die Inhaberin unseres Resorts und blieb ab dem an an ihrer Seite.
Obwohl genug Einheimische Kranke bereits warteten, schob mal Sylvia an allen vorbei in den Behandlungsraum der wohl auch OP Saal, Sprechstundenzimmer als auch Bürotrakt war. SUCHBILD: finde den sterilen Gecko:
Der dort auf einer der drei Pritschen liegende, bereits in Behandlung gewesene Mann wurde kurzerhand weggerollt und alles kümmerte sich um meine Frau.
Gut das ich Thai sprechende Freude habe, die ich anrufen konnte. Es musste sichergestellt sein das nirgendwo Penicillin in die Nähe meiner Frau kam und das möglichst auf extrem hartes Antibiotika verzichtet wird.
Kurz zusammengefasst wurde aufgeschnitten, gespült, der kleine Widerhaken des Rochen entfernt und alles wieder zugeschnürt.
Krass war der Unterschied bei der Behandlung.
Alleine für die lokale Betäubung wurde sich 3x gewaschen, desinfiziert, dann Gummihandschuh auf den nochmal ein extra Gummihandschuh kam. Die Spritze, die Nadel,
das Zeug zum reinspritzen, alles original eingeschweißt, und nochmals steril abgewaschen vor dem Piks.
das Zeug zum reinspritzen, alles original eingeschweißt, und nochmals steril abgewaschen vor dem Piks.
Als nach 20 Minuten ein Thai nebenan Platz nahm, ging die Schwester zu irgendeiner Schublade, zog die auf und nahm eine Spritze raus. Dann ein Fach mit Nadeln, eine rausgekramt und in die große, öffentliche Pulle gesteckt um das Serum aufzunehmen.
Dann hin zum Thai, Arm frei und rein damit.
Die Ärztin bat uns am nächsten Tag wiederzukommen und ich konnte meine Frau wieder zu unseren Kindern bringen.
Die hatten inzwischen am Empfangstresen platzgenommen und Ihre Sendung mit der Maus geschaut. Die Krankenschwestern hatten ihnen frische Früchte gebracht.
Die Resortschefin, die die ganze Zeit Sylvias Hand gehalten hatte, lud uns in Ihr Hauptfestlandshotel ein, dieses war nur ca 15 Minuten vom Hospital entfernt.
Das Zimmer dort war erste Klasse, es gab sogar eine Klimaanlage und einen Fernseher.
Auf dem lief aber nur verrückte Thaiwerbung.
Nach einem reichhaltigen Abendessen konnten wir den Tag endlich abschließen, auch wenn wir vor knapp 3 Uhr nicht wirklich einschlafen konnten.
Am nächsten Tag ging es um kurz nach 9 Uhr zurück zum Hospital und ich konnte die Ärzte überzeugen das Bindenwechseln und spülen mit den entsprechenden Mitteln selber und auf der Insel zu tätigen. Da sind wir inzwischen auch wieder angekommen und versuchen die letzten Tage etwas Ruhe zu finden.
Die letzte Nacht lehrte dann nochmal warum man das Moskitonetz auch wirklich zumachen sollte wenn Man(n) noch stundenlang IPhone zockt. Es sind nämlich nicht immer die liebevoll krabbelnden Finger deiner Frau wenn dir was über den Rücken läuft.
Die ungefähre Größe der Spinne könnt Ihr Euch vorstellen, wenn ich erst dachte es seien die Finger meiner Frau gewesen...
Während ich in der Strandhängematte liege und diese Zeilen schreibe freuen sich Fritz und Ludwig gerade über "guck mal Mama, eine Schlange". Ich glaub mein Schwein pfeift und falle fast wutschnaubend aus der Hängematte. Irgendwann darf jetzt auch mal Schluss sein. Ich habe in über 20 Jahren mit fast jährlichen Thaiabenteuern nicht so eine Menge Mist erlebt wie hier in den letzten 6 Tagen.
Zum Glück ist es aber nur eine kleine Natter. Schön nebenbei zu erfahren das es hier auch 3(!) Sorten Cobras gibt, nachdem ich mit der Bedienung die Art des entdecktem Kriechtieres rausgesucht habe.
Ich melde mich dann das nächste Mal am Sonnabend von Bangkok aus. Zuvor werden wir gegen 10:00 Uhr die Insel verlassen und dann mit dem KFZ nach Sura Thani.
Dort geben wir das Auto ab und steigen in den Flieger in die Millionenmetropole und Landeshauptstadt. Natürlich werden auf dem Weg noch kurz den Löwen und den Familienluchs in Khao Sok abholen, die ruhen ja noch sanft im Baumhaus...
...gar nicht so einfach hier was zu posten, trotz Login! 🤔
AntwortenLöschenIch lese meiner family immer fleißig vor, bei so viel Spiel, Spaß und Spannung...!!! Fehlt nur noch die Schokolade zum kommerziellsten Ei der Welt! :-) Entspannt euch zum Ende nochmal richtig - unaufgeregt - kann auch schön sein! 😉
Wir wünschen alles Gute und guten Rückflug! Verschneite Grüße aus Sachsen vom Schwesterherz.